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Fehlgesteuertes Gesundheitssystem aufs richtige Gleis setzen

Fachärzte: Chance des Regierungswechsels für Neuausrichtung nutzen
München, 28.09.2009 – „Die Probleme im Gesundheitswesen sind nach dem Regierungswechsel nicht kleiner geworden, aber die Fachärzte setzen auf  ausgewogenere Lösungen als in der Vergangenheit. Anders als in den letzten elf Jahren erwarten die niedergelassenen Fachärzte statt ausgegrenzt, jetzt in die Problemlösung einbezogen zu werden“, kommentiert Dr. Thomas Scharmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Facharztverbandes (DFV) die neue Regierungsmehrheit aus CDU/CSU und FDP: „In den letzten elf Jahren wurden die niedergelassenen Fachärzte als Teil des Problems in die Ecke gestellt – wir sind aber Teil der Lösung.“...

Die Fachärzte erwarten eine Abwendung von Staatszentralismus: „Immer mehr Regularien bis hin zum Honorar werden in Berlin festgelegt – das stranguliert das System.“ Auch erwarten die Fachärzte einen Bruch mit der Kliniköffnung hin zum ambulanten Bereich: „Immer mehr Klinikketten, die eher auf das Aktionärs- statt auf das Patientenwohl ausgerichtet sind, höhlen die ambulante Versorgung aus“, kritisiert Scharmann. Kritisiert wird auch die Fixierung unter der SPD-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf die hausarztzentrierte Versorgung.

Konkret beschreibt Scharmann folgende Situation: Die Regelleistungsvolumina (RLV), die die Basisversorgung der Patienten abdecken sollen, sind und bleiben zu gering – darunter leiden viele Fachgruppen. Als eine vorübergehende Lösung – bis eine komplett neue, die ambulante Versorgung stärkende Honorarreform ausgearbeitet ist –, schlägt Scharmann eine fachärztliche Strukturpauschale sowie eine Anhebung der RLV vor: „Es gilt bis zu einem Neuanfang die ambulante Versorgung zu stabilisieren.“

Eine Korrektur erwartet der DFV auch beim §73b, Sozialgesetzbuch V (SGB V) über den die hausarztzentrierte Versorgung eingeführt wurde. Die Fachärzte kritisieren vor allem den Zwang der Kassen auf einen Abschluss mit den Hausärzten. Einen solchen Zwang der Kassen, auch mit Fachärzten einen solchen Vertrag zu schließen, gibt es dagegen nicht.  „Mit der einseitigen Verpflichtung zu hausarztzentrierten Verträgen werden neue Sektorengrenzen eingezogen, was zu einem abgeschotteten Hausarztsektor führt. Alle Experten sind sich aber einig, solche Fehlentwicklungen aufzulösen. So müssen z.B. die Sektorgrenzen zwischen stationär und ambulant unter der Voraussetzung gleicher Wettbewerbsbedingungen eingerissen werden“, erläutert Scharmann. Die niedergelassenen Fachärzte fordern den Wettbewerb zwischen den Versorgungsformen.
Die Facharztversorgung werde aber infolge der hausarztzentrierten Versorgung wettbewerbswidrig finanziell ausgetrocknet, da die Hausarztverträge Geld aus dem System saugen. Deshalb sprechen sich die niedergelassenen Fachärzte für einen neuen Paragraphen, den §73e SGB V, aus, in dem die facharztbasierte Versorgung als Pendant zur hausärztlichen in den richtigen Wettbewerb gestellt wird.

Mittelfristig wollen sich die Fachärzte an einer Verbesserung der Pflegesituation in Alten- und Pflegeheimen beteiligen: „Derzeit geht ohne den Hausarzt nichts. Laut Bundesmantelverträgen können die Fachärzte ohne Zustimmung des Hausarztes in den Einrichtungen nicht tätig werden. Hier muss der Gesetzgeber Einfluss auch auf die Kassen ausüben, um die Situation zu ändern“, erläutert der DFV-Vorsitzende.

Schließlich drängend die Fachärzte auf ein Ende der offenen und versteckten Budgetierung: „Dies im Interesse der Patienten: Denn was uns Fachärzten als angebliche Mangelversorgung in die Schuhe geschoben wird, ist nichts anderes als die politisch provozierte Rationierung medizinischer Leistungen“, so Scharmann.


Belegexemplar an die Redaktion erbeten

Verantwortlich: Dr. med. Thomas Scharmann – Bundesvorsitzender DFV – Steinstraße 85 – 81667 München Redaktion: JSpress – Joachim Stier, Tel.: 0241/559 68 18-4, Fax: 0241/559 68 18-5, Mobil: 0170/2900 88 3

 

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