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GKV-Spitzenverband auf Abwegen
Interview: GKV-Spitzenverbands-Vorstandsvorsitzende Doris Pfeiffer will ambulante Facharztversorgung eliminieren (Quelle: vdi-magazin)
München, 10.04.2010 – „Es gibt keine 'doppelte Facharztschiene' – auch wenn der GKV-Spitzenverband dies, wie jetzt wieder, auf die gesundheitspolitische Tagesordnung setzen will“, erläutert Dr. Thomas Scharmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Facharztverbandes (DFV). Der Vorwurf einer doppelten Vorhaltung an Fachärzten in Klinik und Praxis meint die Abschaffung der  niedergelassen Facharztversorgung...
 Das würde aber den Kern des deutschen Gesundheitswesens zerstören: Den niedrigschwelligen Zugang der Patienten und GKV-Versicherten zur spezialisierten und modernen ambulanten Facharztmedizin. Doris Pfeiffer, die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, hat schlicht Unrecht mit ihrer Behauptung einer doppelten Facharztschiene (Quelle: VDI-Magazin – Verband der Deutschen Ingenieure, Interview 09.04.2010; www.vdi-nachrichten.com). Der DFV hat dieses Vorurteil in einem IGES-Gutachten mit Prof. Häussler und Prof. Rürup 2007 widerlegt (s. www.deutscher-facharztverband.de):  „Deutschland liegt europaweit im Mittelfeld was die Zahl seiner niedergelassenen Fachärzte angeht. Auch die Kosten der ambulanten Versorgung liegen international im Mittelfeld. Aber: Dank der fachärztlichen Grundversorgung der Facharztpraxen haben die deutschen Patienten einen direkten Zugang zur Facharztmedizin, um den sie englische und us-amerikanische Patienten beneiden – ohne Umweg über Kliniken.

Auf 1.000 Einwohner kommen in Deutschland 0,9 Fachärzte an Kliniken und 0,7 in der Facharztpraxis, so die Professoren Häussler und Rürup in dem IGES-Gutachten. Mit 1,6 Fachärzten auf 1.000 Einwohner liegt Deutschland sogar nur im unteren Mittelfeld, bietet aber eine vom Patienten sehr geschätzte Versorgungsleistung: „Die finanziell chronisch klammen Kliniken können die Arbeit der Facharztpraxen nicht kompensieren – das funktioniert in Großbritannien ohne niedergelassene Fachärzte nämlich auch nicht“, so Scharmann.

Das von Frau Pfeiffer skizzierte Versorgungsmodell, in dem es in der Fläche nur Haus-, Kinder- und Frauenärzte gibt und alle weiteren Fachärzte nur noch in Zentren oder Kliniken, wird nicht funktionieren: Das ist der Albtraum aus Klinikketten, die sich nur am Interesse ihrer Aktionäre ausrichten, und Versicherungskonzernen mit angestellten Fachärzten. Eine solch düstere Zukunft wird nicht billiger, aber für den Patienten in jeder Hinsicht teurer: finanziell und mit eingebüßter Versorgungsqualität.

Der DFV fordert mit Prof. Rürup den Wettbewerb zwischen Klinik und Praxis unter den Bedingungen der gleichen Bezahlung: „Schon jetzt machen die gesetzlichen Krankenversicherungen ausgiebig Gebrauch von der wirtschaftlichen Facharztmedizin in den Facharztpraxen. Viele Krankheitsbilder – gerade auch Krebserkrankungen – werden nahezu ausschließlich in unseren Facharztpraxen behandelt. Der GKV-Spitzenverband scheint hier den Tatsachen gegenüber bewusst auf einem Auge blind zu sein“, kritisiert Scharmann.

Allen Patienten, aber vor allem älteren Menschen, wird heute die medizinische Innovation dank der niedergelassenen Facharztpraxis früh und in vielen Fällen überhaupt erst zugänglich gemacht: „Bei uns in Deutschland wird noch niemand von modernster Medizin dank der Facharztpraxis ausgeschlossen. Es wäre verwunderlich, würden die gesetzlichen Krankenkassen daran etwas ändern wollen“, so Scharmann. 

Über den www.deutscher-facharztverband.de
Der Deutsche Facharztverband (DFV) vertritt die Interessen der niedergelassenen Fachärzte. In Deutschland sind rund 60.000 niedergelassene Fachärzte tätig, die ca. 180.000 Fachkräfte in ihren Praxen beschäftigen. Das Anliegen des DFV ist der Erhalt der wohnortnahen, flächendeckenden Versorgung durch Facharztpraxen.

Abdruck honorarfrei – Belegexemplar erbeten

Verantwortlich: Dr. med. Thomas Scharmann – Vorsitzender GFB Bayern – Steinstraße 85 – 81667 München Redaktion: JSpress – Tel.: 0241/559 68 18 -4, Fax: 0241/559 68 18-5, Mobil: 0170/2900 88 3

 

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